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Business Process Reengineering – Wie radikale Prozessneugestaltung KMU zum Durchbruch verhilft

Stefan Hilpp
05.02.2025
Lesezeit: Max. 19 Min.

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Viele kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen heute unter enormem Wettbewerbsdruck. Märkte verändern sich rasend schnell, Kunden fordern immer höhere Qualität und kürzere Lieferzeiten, und Digitalisierungsprojekte türmen sich an allen Ecken und Enden. Oft wird versucht, mit kleinen Optimierungsmaßnahmen hier und da etwas Zeit oder Geld zu sparen. Doch manchmal reicht das nicht: Business Process Reengineering ist ein Ansatz, bei dem man Prozesse nicht bloß schrittweise verbessert, sondern sie komplett neu denkt und aufbaut.

Während es in großen Konzernen hierfür eigene Abteilungen gibt, ist das Thema „Business Process Reengineering“ im Mittelstand häufig noch eher ein Randthema. „Wir haben doch keine Zeit für so ein Mammutprojekt!“ oder „Unsere Abläufe sind viel zu individuell, wir können nicht alles über Bord werfen.“ – solche Einwände hört man oft. In diesem Beitrag zeigen wir, dass Business Process Reengineering gerade für mittelständische Betriebe eine echte Chance sein kann. Denn wer den Mut hat, seine Prozesse radikal zu hinterfragen, kann nicht nur Effizienz und Qualität steigern, sondern oft sogar ganz neue Geschäftsmöglichkeiten entdecken.


Business Process Reengineering

1. Was ist Business Process Reengineering überhaupt?

1.1 Ursprung und Kerngedanke

„Business Process Reengineering“ (BPR) wurde Anfang der 1990er-Jahre durch Michael Hammer und James Champy bekannt gemacht. In ihrem Buch Reengineering the Corporation vertraten sie die These, dass viele Unternehmen in alten Strukturen gefangen seien und sich lediglich mit kleinen Verbesserungen zufrieden gäben. BPR soll diese inkrementellen Veränderungen durch eine radikale Neugestaltung ersetzen:

„Vergiss, wie dein Prozess bisher läuft. Stell dir vor, du könntest ihn heute komplett neu erfinden. Wie sähe er dann aus?“

Der Fokus liegt dabei auf den Prozessen selbst. Statt zu fragen, „Wie optimieren wir Abteilung A oder B?“, betrachtet man den gesamten Ablauf, bei dem ein Wert für den Kunden entsteht – vom Auftragseingang bis zur Auslieferung, vom ersten Kundenkontakt bis zur wiederkehrenden Betreuung. BPR bedeutet also nicht, dass man ein paar Stellschrauben dreht, sondern man wirft die Frage auf, ob bestimmte Schritte überhaupt noch nötig sind.

1.2 Abgrenzung zur klassischen Prozessoptimierung

Während bei der klassischen Prozessoptimierung meist inkrementell („ein bisschen schneller, ein bisschen billiger“) an bestehenden Abläufen gefeilt wird, setzt Business Process Reengineering auf grundlegende Innovation. Das kann bedeuten, dass ganze Abteilungen zusammengelegt oder Silos aufgebrochen werden, weil der Prozess aus Kundensicht dadurch flüssiger wird. Mitunter erfordert es eine völlig neue IT-Infrastruktur oder gänzlich andere Arbeitsweisen.


2. Warum Business Process Reengineering besonders im Mittelstand Sinn ergibt

2.1 Agilität als Trumpf

Wenn ein globaler Konzern mit Zehntausenden Mitarbeitern einen Prozess radikal neu aufbauen möchte, muss er sich durch endlose Abstimmungsschleifen, Gremien und Compliance-Regularien kämpfen. Ein mittelständisches Unternehmen ist oft agiler und kann Entscheidungen in kürzerer Zeit treffen. Wenn die Geschäftsführung erkennt: „Unser Produktionsprozess verschlingt zu viel Zeit und Geld, wir müssen ihn grundlegend verändern“, dann kann sie schneller handeln.

2.2 Nähe zu Kunden und Märkten

In vielen Fällen ist der Mittelstand nah dran an seinen Kunden. Man kennt deren Wünsche und Sorgen sehr genau, hat vielleicht sogar persönliche Beziehungen. Business Process Reengineering kann gezielt genutzt werden, um diese Stärken auszubauen:

  • Kundenorientierung: Vielleicht warten die Kunden zu lange auf Angebote? In einem radikal neu gedachten Prozess könnte ein KI-System Kundendaten automatisch auswerten und Angebote erstellen, sodass die Kunden binnen weniger Stunden ein professionelles Dokument erhalten.
  • Qualitätssteigerung: Wer als regionaler Anbieter für Verlässlichkeit bekannt ist, kann durch BPR Prozesse so ausrichten, dass Fehlerquoten deutlich sinken. Etwa durch automatisierte Kontrollschritte, digitalisierte Abläufe und Vernetzung der Teams.

2.3 Möglichkeit zur Kostenersparnis

Gerade wenn man nicht nur an kleinen Optimierungen feilt, sondern einen komplett neuen Prozess aufsetzt, können sich enorme Kostenvorteile ergeben. Das kann Einsparungen bei Lagerhaltung, Transportkosten oder Personaleinsatz bedeuten. Wer bereit ist, etablierte Strukturen aufzubrechen, kann den Durchlauf für Produkte oder Projekte drastisch beschleunigen.


3. Beispiele für radikale Prozessneugestaltung

Um zu verdeutlichen, was Business Process Reengineering praktisch heißen kann, hier einige Szenarien, wie sie uns in KMU bereits begegnet sind:

3.1 „Papierstau“ in der Buchhaltung

  • Ist-Situation: Eingehende Rechnungen werden auf Papier abgeheftet, einmal pro Woche bearbeitet und manuell ins System getippt. Mahnungen werden ebenfalls in Papierform verschickt. Das kostet viel Zeit, führt zu Fehlern und verhindert, dass man einen Echtzeit-Überblick über Forderungen hat.
  • Radikal neu gedacht: Statt Papierbelegen setzt man auf durchgängige Digitalisierung und automatisierte Rechnungsverarbeitung. Ein Cloud-ERP-System verbindet sich mit dem Bankkonto und überwacht Zahlungseingänge. Mahnungen gehen automatisch raus, sobald eine Frist abgelaufen ist, und bei Zahlungsverzug wird ein zuständiger Mitarbeiter benachrichtigt.
  • Vorteil: Enorme Zeitersparnis und mehr Liquiditätssicherheit, weil man keine Zahlungen mehr übersieht und schneller reagieren kann.

3.2 Vertrieb und Kundenservice verschmelzen

  • Ist-Situation: Vertrieb kümmert sich um Neukunden, Kundenservice um Bestandskunden. Beide Teams arbeiten in unterschiedlichen Systemen, kennen aber oft nicht gegenseitig die Informationen. Fragen zum aktuellen Angebot landen fälschlich beim Kundenservice, der dann zum Vertrieb durchstellen muss.
  • Radikal neu gedacht: Ein einheitlicher Kundendaten- und Kommunikationsprozess. Jeder Mitarbeiter sieht den gesamten Kundendialog, egal ob es um ein neues Angebot oder ein bestehendes Problem geht. Zugleich kann eine KI Vorhersagen treffen, welche Kunden demnächst Bedarf an Upgrades oder Wartung haben.
  • Vorteil: Keine Abteilungssilos mehr, schnellere Reaktion auf Kundenanfragen, höherer Umsatz durch gezieltes Cross-Selling.

3.3 Produktion auf Basis von KI-Prognosen

  • Ist-Situation: Das Unternehmen produziert nach festen Plänen oder Erfahrungswerten. Wenn die Nachfrage schwankt, hat man entweder zu viel Lager oder Lieferengpässe.
  • Radikal neu gedacht: Man integriert sensorbasierte Daten, Marktdaten und sogar Wetterinformationen in ein KI-System, das die Nachfrage prognostiziert. Die Produktion wird „Just-in-Time“ hoch- oder heruntergefahren, was Lagerkosten minimiert und die Reaktionsfähigkeit steigert.
  • Vorteil: Bessere Cashflow-Planung, weniger Ausschuss, Vermeidung von Engpässen und eine deutlich schnellere Lieferfähigkeit.

4. Wie startet man mit Business Process Reengineering?

Gerade in KMU ist die Sorge groß, man könne sich an einem Großprojekt verheben, das das gesamte Tagesgeschäft lahmlegt. Doch es gibt strukturierte Wege, um BPR einzuleiten, ohne im Chaos zu versinken.

4.1 Prozessanalyse: Was läuft gut, was nicht?

Der erste Schritt besteht darin, eine Bestandsaufnahme zu machen. Welche Prozesse sind für das Unternehmen besonders wertschöpfend, zugleich aber problematisch oder langsam? Welche Abteilungen sind daran beteiligt? Oft helfen einfache Prozesslandkarten, in denen jeder Schritt, jede Zuständigkeit und jede verwendete Software aufgelistet wird.

Wenn man 10 wesentliche Prozesse identifiziert, sollte man sich einen herauspicken, der:

  1. Große Hebelwirkung verspricht (z. B. hohes Fehlerpotenzial, viel Zeitaufwand, Kundenunzufriedenheit).
  2. Sich vergleichsweise gut abgrenzen lässt (nicht jeder Teilprozess muss gleichzeitig neu gedacht werden).

4.2 Ziele definieren

Business Process Reengineering ist kein Selbstzweck. Es geht darum, bestimmte Ziele klar festzulegen, damit man am Ende weiß, ob sich die Neugestaltung gelohnt hat. Diese Ziele können sein:

  • Kostensenkung um X Prozent.
  • Durchlaufzeit eines Auftrags halbieren.
  • Fehlerquote bei der Auslieferung um Y reduzieren.
  • Kundenzufriedenheit steigern (z. B. gemessen in einer Umfrage oder in Kundenbindungsraten).

Es ist hilfreich, Ziele immer als SMART Ziele zu setzen.

Wenn die Vision für den neu gestalteten Prozess klar ist, kann man (mutig) überlegen, wie man sich alle Möglichkeiten moderner Technologien (z. B. KI, Automatisierung, digitale Plattformen) zunutze macht.

4.3 Change-Management einplanen

Die Umsetzung eines radikalen Prozesses ist nie nur eine technologische Frage. Meist müssen Abteilungen enger zusammenarbeiten, Hierarchien an den neuen Ablauf angepasst und Mitarbeiter umgeschult werden. Deshalb ist es unverzichtbar, das Team mitzunehmen:

  • Kommunikation: Warum machen wir das? Was erwartet uns? Welche Vorteile haben die Mitarbeiter davon?
  • Unterstützung von oben: Die Geschäftsführung muss hinter dem Projekt stehen und eventuelle Widerstände ausräumen.
  • Erste Quick Wins: Schnelle Erfolgserlebnisse stärken das Vertrauen in das Projekt. Vielleicht kann man einen Teilaspekt rasch automatisieren, sodass der positive Effekt für alle sichtbar wird.

5. Rolle der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz

Business Process Reengineering und Digitalisierung gehen häufig Hand in Hand. In den 1990ern bedeutete BPR oft, EDV-Systeme breiter einzusetzen. Heute haben wir digitale Technologien, die ein ganz neues Level der Prozessintegration ermöglichen:

  1. Cloud-Systeme: Statt isolierter Software in verschiedenen Abteilungen kann man zentrale Plattformen nutzen, auf die alle zugreifen. Auch externe Dienstleister oder Kunden lassen sich einbinden.
  2. APIs und Schnittstellen: Sorgen dafür, dass Daten zwischen verschiedenen Systemen automatisch ausgetauscht werden – es sind keine manuellen Exporte oder Importe mehr nötig.
  3. Machine Learning / Künstliche Intelligenz: Hierdurch lassen sich Prognosen, Automatisierungen und intelligente Entscheidungen realisieren. Etwa ein KI-Algorithmus, der automatisch den optimalen Produktionsplan zusammenstellt, oder ein Chatbot, der Kundenanliegen vorsortiert und gleich an den richtigen Mitarbeiter leitet.

Wer Business Process Reengineering betreibt, sollte die Möglichkeiten moderner Technologien von Anfang an mitdenken. Es geht eben nicht nur darum, Abteilung A mit Abteilung B zusammenzulegen, sondern um die Frage, wie man das Potenzial digitaler Anwendungen voll ausschöpfen kann. Oft sind dies genau die Elemente, die einen radikalen Prozess so attraktiv machen, weil das Ergebnis wesentlich weniger menschliche Eingriffe benötigt, schneller ist und höhere Qualität liefert.


6. Stolpersteine und Vorbehalte

So verlockend das Konzept auch klingt, viele Unternehmen zögern, weil sie Stolpersteine sehen, die ihnen unüberwindbar erscheinen:

6.1 „Wir haben keine Zeit dafür!“

Gerade bei voller Auftragslage denkt man, ein großes Reengineering-Projekt sei zu belastend. Doch gleichzeitig bedeutet das: Die Prozesse laufen womöglich suboptimal und binden unnötig Kapazitäten. Die Kunst besteht darin, einen Teilprozess auszusuchen, der den größten Return on Investment verspricht, und ihn fokussiert neu aufzusetzen.

6.2 „Unsere Mitarbeiter wehren sich gegen so massive Veränderungen.“

Ein häufiger Vorbehalt, der sich nur durch gutes Change-Management entkräften lässt. Mitarbeiter brauchen Sicherheit, Schulungen und das Gefühl, dass sie nicht überflüssig werden, sondern verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen können. Wenn das Team erkennt, dass man nur die weniger sinnstiftenden Arbeiten automatisiert oder verschlankt, ist der Widerstand oft geringer als gedacht.

6.3 „Wir sind doch keine IT-Profis!“

Manche Geschäftsführer fürchten, es fehlten interne Fachleute, um z. B. KI-Modelle zu trainieren oder neue Softwarearchitekturen zu implementieren. Hier kann man entweder externe Partner wie uns hinzuziehen oder auf vorgefertigte Lösungen (SaaS-Angebote) setzen, die sich relativ leicht anpassen lassen. Auch ein Mix aus Outsourcing für komplexe IT-Aufgaben und interner Koordination ist oft erfolgreich.

6.4 „Wir haben schon so oft versucht, Abläufe zu verbessern – hat nie geklappt.“

Der Kernfehler liegt oft darin, dass man nur Feintuning betreibt, statt wirklich neu zu denken. Wer jahrelang denselben Ablauf minimal verbessert, erlebt ständig Reibungsverluste, weil man an veralteten Grundstrukturen festhält. BPR bricht diesen Zyklus, indem man sich bewusst von Altlasten löst.


7. Exemplarisches Vorgehen für ein BPR-Projekt

Um Business Process Reengineering greifbarer zu machen, folgt eine beispielhafte Schritt-für-Schritt-Anleitung:

  1. Projektstart & Zieldefinition
    • Die Geschäftsführung benennt den Anlass: „Wir wollen die Reklamationsbearbeitung radikal verbessern.“
    • Es werden messbare SMART Ziele gesetzt, z. B.: Fehlerrate um 70 % reduzieren, Bearbeitungszeit bei Reklamationen halbieren, Kundenzufriedenheit messen.
  2. Prozessaufnahme & Analyse
    • Ein Team aus verschiedenen Bereichen (Kundendienst, Logistik, IT, Produktion) sammelt alle Details zum aktuellen Reklamationsablauf: Wer macht was, welche Systeme werden genutzt, wo liegen die größten Verzögerungen?
    • Engpässe und Verschwendungen (z. B. doppelte Datenerfassung) werden identifiziert.
  3. Komplett neue Prozessidee entwickeln
    • Man überlegt frei: „Was wäre der Idealfall, wenn wir heute bei null anfangen könnten?“
    • Hier wird Technologie einbezogen: Automatisierte Dokumentation, KI-Chatbot für Kunden, zentrale Datenbank für Produktfehler, Prognosen über Wiederholungsfehler usw.
    • Alte Strukturen oder Hierarchien werden hinterfragt. Vielleicht wird ein neues Team geschaffen, das alle Reklamationen klärt und direkt mit der Produktion kommuniziert.
  4. Konzeptvalidierung
    • Im nächsten Schritt validiert man die Machbarkeit. Welche Software braucht man? Sind Schnittstellen nötig? Welche Budget- und Personalressourcen werden benötigt?
  5. Umsetzung & Pilotphase
    • Statt alles auf einmal umzustellen, pilotiert man den neuen Prozess an einer Produktlinie oder mit einer bestimmten Kundengruppe.
    • Feedbackschleifen und Messungen (z. B. Zeit bis zur Lösung, Kundenzufriedenheit) helfen, den Prozess weiter zu verfeinern.
  6. Rollout & Change Management
    • Wenn die Pilotphase erfolgreich verläuft, wird der neu gestaltete Prozess unternehmensweit ausgerollt.
    • Mitarbeiterschulungen, klare Kommunikationsmaßnahmen und Begleitung durch die Führungskräfte sorgen für einen reibungslosen Übergang.
  7. Kontinuierliche Optimierung
    • BPR ist kein Einmalevent. Einmal implementiert, lässt sich der neue Prozess weiter verbessern. Auch künftige Technologieupdates (etwa bessere KI-Modelle) können integriert werden.

8. Praxisbeispiel: Ein mittelständischer Kunststoffverarbeiter

Nehmen wir an, ein KMU aus der Kunststoffbranche möchte seine Produktionsabläufe und Logistik grundlegend neu denken. Aktuell läuft Folgendes suboptimal:

  • Produktionspläne werden manuell aufgestellt und selten aktualisiert.
  • Lagerbestände schwanken massiv, manche Rohstoffe veralten, andere fehlen zum Teil.
  • Reklamationen von Kunden kommen erst spät ans Licht, weil sie per E-Mail an verschiedene Adressen gehen.

Business Process Reengineering könnte hier bedeuten:

  1. Ein Cloud-basiertes ERP wird eingeführt, das automatisch Lagerbestände monitoren und Bestellungen anstoßen kann.
  2. Machine-Learning-Modelle erstellen Bedarfsprognosen basierend auf Auftragseingängen, Saison, Konjunkturdaten usw.
  3. Eine einheitliche Schnittstelle für Kundenanfragen (z. B. Webportal oder zentrales E-Mail-System) stellt sicher, dass Reklamationen sofort in der ERP-Datenbank landen und dem Kundendienst gemeldet werden.
  4. Prozessüberwachung: Sensoren in den Maschinen erfassen Daten in Echtzeit (Temperatur, Durchsatz etc.). KI analysiert Abweichungen und kann voraussagen, wann Wartungen notwendig sind.

Das Ergebnis: Durchlaufzeiten verkürzen sich, Kunden erhalten schneller verlässliche Termine und Reklamationen sinken, weil Qualitätsprobleme früh erkannt werden. Natürlich benötigt es zu Beginn Investitionen, Zeit und Schulungen, aber der Mehrwert kann erheblich sein. Der Kunststoffverarbeiter steigert seine Wettbewerbsfähigkeit und kann sich dank höherer Produktivität langfristig am Markt behaupten.


9. Übung: Wo lohnt sich Business Process Reengineering in Ihrem Unternehmen?

Damit dieser Beitrag nicht nur theoretisch bleibt, folgt eine kleine Übung:

  1. Identifizieren Sie 3 Prozesse
    Welche Prozesse kosten Sie und Ihr Team immer wieder Zeit, Geld oder Nerven? Schreiben Sie sie auf.
  2. Fragen Sie sich: „Was wäre, wenn wir diese 3 Abläufe heute komplett neu erfinden könnten?“
    • Wo liegen Engpässe und Reibungspunkte?
    • Welche Technologien könnten theoretisch helfen (z. B. KI, Cloud-ERP, Automatisierungstools)?
    • Welche Abteilungen oder Personen müssten mit ins Boot geholt werden?
  3. Wählen Sie 1 Prozess aus, der den größten Hebel bietet
    Vielleicht ist es der Kundenservice, die Bestellabwicklung oder das Produktionsmanagement.
  4. Definieren Sie Ziele
    • Zeitersparnis von X %
    • Fehlerquote senken
    • Kundenzufriedenheit steigern
  5. Planen Sie die nächsten Schritte
    • Wer soll in einem Projektteam mitwirken?
    • Welche Ressourcen braucht es?
    • Wie gewinnen Sie Akzeptanz im Unternehmen?
  6. Skizzieren Sie eine ideale Welt
    Notieren Sie sich stichpunktartig, wie der Prozess in Perfektion aussehen würde – ohne auf bisherige Strukturen Rücksicht zu nehmen. Das ist der Kern von BPR: wirklich neu denken.

10. Fazit: Mut zur radikalen Veränderung zahlt sich aus

Business Process Reengineering ist kein kleines Nebenprojekt, das man mal eben nebenher macht. Es erfordert den Mut, Altbewährtes in Frage zu stellen, die Bereitschaft, Mitarbeiter neu zu schulen, und meist einen gewissen IT- und Organisationsaufwand. Doch die Belohnung kann hoch sein: Wer seine Kernprozesse so aufstellt, dass sie wirklich optimal funktionieren, hebt oft unentdeckte Potenziale.

Gerade für den Mittelstand, der auf Flexibilität und Kundennähe angewiesen ist, kann BPR das Sprungbrett zu mehr Effizienz, Qualität und Innovationskraft sein. Wichtig ist, klar zu priorisieren: Nicht jeder Prozess muss sofort und radikal neu erfunden werden. Eine schrittweise Einführung – aber eben in einer radikalen Neudenkung des ausgewählten Prozesses – ermöglicht erste quick wins und schafft Vertrauen.

Wenn die Geschäftsführung mit Überzeugung hinter dem Projekt steht und es schafft, das Team mitzunehmen, stehen die Chancen gut, dass Business Process Reengineering nicht in einem riesigen Chaos endet, sondern zu einem messbaren Erfolg wird. Die Erfahrungen aus einem BPR-Projekt können zudem auf andere Bereiche übertragen werden, sodass das Unternehmen Schritt für Schritt sein volles Leistungsvermögen entfaltet.

Ob es darum geht, neue Technologien wie KI zu integrieren, Silos zwischen Abteilungen einzureißen oder Kundenerlebnisse neu zu definieren – BPR bietet einen strukturierten Rahmen, all das auf eine zukunftsorientierte Art anzugehen. Wichtig ist, sich einzugestehen, dass manchmal eben keine kleinen Verbesserungen genügen, sondern ein großer Wurf nötig ist. Und häufig lohnt sich genau dieser große Wurf langfristig, weil er das Unternehmen fundamental stärkt und wachstumsfähiger macht.

Stefan Hilpp

KI Consultant & Automatisierungs Experte
Stefan arbeitet seit beinahe 20 Jahren im Marketing und seit 10 Jahren begleitet er intensiv den Vertrieb und die Entwicklung von Softwarelösungen im B2B Markt. In seiner Karriere war er in mehreren Unternehmen Leitung von Marketing & Vertrieb und ist wertvoller Impulsgeber der CodeArchitekten.

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Stefan Hilpp

Geschäftsführer Marketing & Vertrieb
Stefan (45) arbeitete mehr als 15 Jahre in führenden Positionen im Marketing und Vertrieb von mittelständischen Unternehmen mit Schwerpunkt auf Web-Software und Portallösungen. Seit 2013 beschäftigt er sich mit Automatisierung von Prozessen und hat seit 2019 auch eine eigene Automatisierungs-App im weltweiten Markt etabliert. Seit 2022 beschäftigt er sich tiefgreifend mit künstlicher Intelligenz und behält den Überblick über den stetig wachsenden Markt und dessen Möglichkeiten. Er berät und unterstützt Kunden in der Planung sowie im Change Management (Migration, Einführung etc.) von Prozess-Automatisierungen und KI-Anwendungen.

Sebastian Epple

Geschäftsführer Technologie & Entwicklung
Sebastian (48) ist seit mehr als 20 Jahren selbstständiger Entwickler von Automations- und Portallösungen für kleine und mittelständische Unternehmen und Geschäftsführer Technologie & Entwicklung der CodeArchitekten. Der Dipl. Physiker begann 2000 bereits während seines Studiums mit der Entwicklung von Software-Applikationen für das Fraunhofer-Institut und erschafft heute mit seinem analytischen und zielorientierten Denken die Architektur für nachhaltige, effiziente Lösungen. Seit 2022 beschäftigt er sich intensiv mit der technischen Seite künstlicher Intelligenz. Er ist verantwortlich für die hochwertige Qualität unserer Software und KI-Systeme.

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